Die Wolfshöhle trifft auf MAX LUI – Ansprüche die verbinden

MAX LUI & Wolfshöhle

Comickrawatte? Am besten gleich entsorgen!

Ginge es nach der Meinung einiger Zeitgenossen, so kämen die beiden Worte Mode und Freiburg einem Oxymoron gleich. Und dennoch gibt es auch in der Breisgaumetropole den ein oder anderen, der sich nicht mit dem unisono getragenen Einheitsschick aus Trekkingkleidung und Softshelljacken zufriedengeben will. Seit nunmehr fünf Jahren ist Marco Mesler von MAX LUI Mode Botschafter des guten Geschmacks. Warum Kleider eben doch Leute machen und was Mode
mit Authentizität zu tun hat, darüber haben wir mit ihm für das Wolfshöhle Magazin gesprochen:

„Freiburg wird immer ein wenig als modische Diaspora gesehen. Wie ist ihre Einschätzung bezüglich des Stilbewusstseins der Breisgauer?“

„Klar, so etwas höre ich regelmäßig. Ein Laden für Maßmode, funktioniert das überhaupt in Freiburg? Gibt es ausreichend Klientel? Aber wir bieten ja ein Nischenprodukt und keine Massenware an. Unser Einzugsgebiet beschränkt sich nicht auf die Stadt, sondern erstreckt sich bis ins Umland. Natürlich ist Freiburg keine Modehochburg, das ist unstrittig. Wäre es jedoch eine, so könnte ich den Kunden im Einzelfall gar nicht mehr so bedienen, wie ich das will. Es würde dazu schlicht die Zeit fehlen. Diese Situation haben wir schon jetzt ab und an. Gerade zwischen Februar und Juli, wenn die Hochzeitssaison am Anschlag ist, fällt es manchmal schwer, wirklich jedem Kunden die Qualität an Arbeit und Service zu bieten, die wir uns selbst als Standard gesetzt haben. Falls sie mit ihrer Frage auf die Softshell- und Trekkingfraktion anspielen, die man hier scheinbar zuhauf sieht, so kann ich dazu Folgendes sagen: Erstens ist dies kein Freiburg spezifisches Phänomen und zweitens hat das seine vollkommene Berechtigung. Die Leute haben sich Gedanken darüber gemacht, warum sie das anziehen. Letzten Endes vertreten wir die Meinung, dass der Mensch sich in seiner Kleidung wohlfühlen muss. Unser Ziel ist es den Menschen, die das Interesse daran haben, zu zeigen welche Möglichkeiten es gibt sich modisch auszudrücken.“

„Maßgefertigte Anzüge assoziiert man eher mit Mode für den Mann. Wie ist es um Ihre weibliche Kundschaft bestellt?“

„Seit mittlerweile vier Jahren bieten wir unsere Dienste auch der Damenwelt an. Das läuft allerdings eher langsam, da Maßmode in weiten Teilen als eine Männerdomäne wahrgenommen wird. Dabei ist es gerade für Geschäftsfrauen unglaublich schwierig klassische- oder Buisnesskleidung zu finden. Das Angebot ist sehr überschaubar und wenn, dann handelt es sich meist um Stangenware teurer Labels und Frau muss kaufen, was gerade in den Läden hängt. Es bleibt also wenig Raum für
Individualität und eigene Ideen. Wir merken, dass die weibliche Kundschaft etwas vorsichtiger ist. Die Ansprüche sind oftmals höher und die Ideen, mit denen sie zu uns kommen, schon ausgereifter. Haben die Kundinnen allerdings erst einmal unseren Service in Anspruch genommen, sind sie sehr treu und kommen immer wieder.“

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„Woher kommt Ihr Interesse für und Ihre Affinität zur Mode?“

„Ich bin von der Meinung getrieben, dass der erste Eindruck auch gleichzeitig der wichtigste ist. Ganz unabhängig davon, ob ich einen Mann oder eine Frau kennenlerne, ein Bewerbungsgespräch habe oder mich den Schwiegereltern vorstelle. Im Erstkontakt muss oberflächlich anhand der äußeren Erscheinung geurteilt werden, da man den Menschen, der vor einem steht, ja überhaupt noch nicht kennt. Für mich war es schon immer sehr wichtig dementsprechend gekleidet zu sein und mir Gedanken darüber zu machen, welche Outfits ich zu welchen Anlässen anziehe. Wenn man das Thema Mode professionell angeht, sich Gedanken macht und Erfahrungen sammelt, dann kann man mit Kleidung große Wirkung bei seinem Gegenüber erzielen. Die Art und Weise, wie ein Mensch sich anzieht, drückt gleichzeitig immer einen Teil seiner Persönlichkeit aus.“

„Ist das der „textile Ausdruck von Persönlichkeit“, von dem auf Ihrer Website so oft die Rede ist?“

„Genau das. Jemand kommt in den Laden, ist adrett gekleidet, trägt einen klassischen dreiteiligen Anzug, frisch gewienerte Schuhe, eine schöne Krawatte und wirkt gepflegt und wie aus dem Ei gepellt. Dadurch kann ich die Person schon relativ gut einschätzen, kann auf gewisse Charaktereigenschaften schließen. So jemand wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch im privaten und beruflichen Leben einen hohen Organisationsgrad besitzen und bestimmte Regeln befolgen.
Das muss zwar nicht immer zu hundert Prozent der Wirklichkeit entsprechen, aber durch die jahrelange Erfahrung liege ich mittlerweile nur noch selten daneben.

„Der Blick für den individuellen Stil eines Menschen, kann man den lernen?“

„Ich möchte mich nicht in ein Licht heben, in das ich nicht gehöre, aber am Ende ist es so, dass man das nur sehr bedingt lernen kann. Entweder man hat ein Gefühl dafür und kann es umsetzten oder eben nicht. Gefühle sind nur sehr schwer anzutrainieren. Allerdings bin ich bei Weitem nicht der Einzige, der diesen Blick für den Stil eines Menschen hat. Das können ganz viele andere auch.“

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„Woran orientieren Sie sich bei der Beratung?“

Es ist immens wichtig, dass man den Kunden gut zuhört. Sich selbst erst einmal zurücknehmen und heraus kitzeln, was der Mensch gegenüber für Vorstellungen von seinem neuen Kleidungsstück hat.
Dieses Wunschbild stelle ich dann in Relation zu meiner eigenen Wahrnehmung der Person und ihres Stils. Der Anlass spielt natürlich auch eine große Rolle. Jemand der einen Anzug für eine Hochzeit braucht, sucht im Normalfall etwas anderes als jemand, der ein Businessdress benötigt.

„Was bedeutet für sie Authentizität in der Mode?“

„Fühlt man sich in einem bestimmten Kleidungsstück wohl, dann sollte man auch genau das tragen, selbst wenn es vermeintlich nicht zum Anlass passt. Ich habe dazu vor einiger Zeit das Beispiel des Dr. Dieter Zetsche gewählt. Dieser trat bei der Aktionärsversammlung der Daimler AG in Sakko, Jeans, einem Hemd ohne Krawatte und Senkern auf der Bühne. Wo der ein oder andere hier die Hände über dem Kopf zusammen schlägt und das als unangebracht oder gar respektlos empfindet, sage ich, dass er genau das richtige Outfit gewählt hat. Er strahlte Jugendlichkeit, Dynamik und Fortschritt aus und fühlte sich in seiner Kleidung sichtlich wohl. Authentizität und Ausdruck bedeuten für mich, dass man sich treu bleibt. Es geht darum sich seiner persönlichen Meinung nach passend zu kleiden und nicht aufgrund gesellschaftlicher Zwänge so aufzutreten, wie es erwartet wird.“

„Bei Ihnen gibt es schicke Anzüge und maßgeschneiderte Hemden, da würde man einen eher steifen Umgang vermuten.“

„Ganz im Gegenteil. Es ist mir wichtig, dass die Kommunikation locker und auf Augenhöhe stattfindet. Das fängt bereits damit an, dass wir versuchen schnell mit unseren Kunden per Du zu sein. Es ist doch so: Während des Maßnehmens komme ich den Menschen naturgemäß sehr nahe, das bringt die Sache einfach mit sich. Irgendwie erscheint mir das Sie da nicht richtig angebracht.
Zusätzlich löchere ich die Kunden während der Beratung geradezu mit Fragen und erfahre dadurch extrem viel von ihnen und ihrem Leben. Das respektvolle Du schafft eine gewisse Vertrautheit, während das Sie die Distanz vergrößern würde. Der Kunde, der regelmäßig bei uns im Laden ist und einkauft, von dem brauche ich einfach die entsprechenden Informationen. Die Stammkundschaft kommt mit der Erwartungshaltung her, dass ich sie kenne und dass ich weiß, wie ihr Stil ist und was sie benötigen. Im Normalfall wollen sie sich auch nicht ewig lang mit irgendwelchen Entscheidungen aufhalten, sondern übertragen diese Aufgabe mir oder einem Mitarbeiter. Weiß man nichts von der Person, so kann man einen derartigen Service nicht bieten.“

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Was ist Ihnen darüber hinaus noch wichtig?

Die Menschen sollen bei uns ein ganz anderes Einkaufserlebnis haben. Ich habe es gerne fröhlich und lustig, ein flotter Spruch ist immer drin. Wenn die Kunden beispielsweise Freitagabend nach getaner Arbeit zu uns kommen, dann gibt es erst mal einen Gin Tonic, einen Kaffee oder ein Bier, je nach dem, wer da kommt. Man unterhält sich über dies und jenes, das muss gar nichts mit dem Einkauf zu tun haben, der läuft eher nebenher ab. Im Grunde genommen ist es ein Stammtisch für
Leute, die Spaß an unserer Mode haben. Die Menschen sollen ein Stück weit aus ihrem Alltag entfliehen. Es geht darum abzuschalten und eine gute Zeit bei uns zu verbringen.

„Können Sie drei einfache Modetipps geben?“

„Allgemeine Empfehlungen sind immer schwierig, da jeder Mensch einen eigenen Stil hat und diesen auch pflegen sollte. Allerdings gibt es schon einige Dinge, gerade im geschäftlichen Bereich, die vermeidbar sind und auch vermieden werden sollten. Nehmen wir beispielsweise eine furchtbare Modeerscheinung der Achtziger, die Comickrawatte. Wer es bisher für eine gute Idee gehalten hat mit lustig bunten Motiven auf der Krawatte bei Meetings zu erscheinen, dem sei gesagt: Es ist weder lustig noch angebracht – also am besten gleich entsorgen. Ein zweiter Punkt
wäre die Passform. Viele Männer stellen den Wohlfühlfaktor weit über die Optik. Da werden teilweise Anzüge angezogen, bei denen die ganze Hand im Sakkoärmel verschwindet oder die Schultern einen halben Meter herunter hängen. Das geht gar nicht. Wer will schon so aussehen, als trage er den Anzug seines großen Bruders. Der letzte Tipp richtet sich an die Damen in der Geschäftswelt. Trägt man als Frau einen Rock, der von der Größe eher einem Gürtel entspricht und hat dazu ein tief ausgeschnittenes Dekolleté, so wird es mit der Wahrnehmung als seriöse
Geschäftsfrau schwierig werden. Es ist völlig in Ordnung, wenn die weibliche Seite betont wird, das lässt sich hervorragend in der Maßmode umsetzen, ohne dass es zu obszön wirkt.


Copyright der Bilder Michael Wissing, Winden
Text und Interview Benjamin Wissing